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Onlinepraxis

Katzen

Kater Leo pinkelt überall hin

Frau M. aus Konz:

Sehr geehrter Herr Dr. Spangenberg,
unser Leo ist 12 Jahre alt; er lebt mit seiner Schwester (aus dem selben Wurf) nur in der Wohnung. Beide sind kastriert. Laut Untersuchungsergebnis hat Leo seit Geburt Katzen-Aids und seit einigen Jahren eine Niereninsuffizienz.
Er erhält spezielles Diätfutter sowie tägl. 1/2 Vasotop.
Was uns beunruhigt: seit einigen Monaten pinkelt er manchmal irgendwohin in die Wohnung(auch wenn die Toilette direkt daneben steht / wir haben übrigens jetzt 3 aufgestellt).
Unsere Frage: Kann das psychologisch, alters- oder krankheitsbedingt sein?
Können Sie uns helfen?

Mit freundlichen Grüßen
Birgitt M

Antwort am 01.03.2013:

01.03.2013
Unsauberkeit bei Katzen

Leider passiert es immer wieder, dass hübsche und zahme Haus-katzen im Tierheim abgegeben oder gar ausgesetzt werden. In über 60 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Unsauberkeit des Tieres, mit der sein Halter nicht fertig wurde. Die Katze war zunächst problemlos stubenrein geworden, dann machte sie plötz-lich in alle Ecken. Schimpfen und Strafen erwiesen sich als nutzlos, schließlich gab man das Tier schweren Herzens weg.

Was ist der Grund für diese Untugend, was kann man dagegen ma-chen? Nun, natürlich könnte die Katze an Niere oder Blase er-krankt sein. Das muss ein Tierarzt abklären und gegebenenfalls behandeln. Meistens ergibt die Untersuchung aber keinen Befund. Die Katze will mit ihrer Unsauberkeit dem Menschen ein Signal ge-ben, dass sie in großer seelischer Not ist. Vielleicht versteht sie sich nicht mit einer anderen Katze, der Hund wurde frech oder ein Baby ist ins Haus gekommen. Lässt sich das abstellen? - das wäre die beste Lösung. Da man aber beispielsweise das Baby schlecht weggeben kann, müssen wohl andere Maßnahmen greifen. Daher wird nun geschildert, wie man eine Katze wieder stubenrein be-kommen kann.

Zunächst sollten zahlreiche Katzentoiletten an den verschiedens-ten Stellen aufgestellt werden. Bitte nie in der Nähe des Futter-napfes, das liebt keine Katze. Es reichen flache Schalen mit hohem Rand und einem niedrigen Einstieg für kleine Tiere. Luxusmodelle mit Dach oder Ventilator haben sich nicht bewährt. Noch wichtiger als die Toilette ist die Streu. Da gibt es eine erstaunliche Vielfalt, doch nicht jede passt der Katze, man muss etwas herumprobieren. Grobe Streu irritiert die zarten Pfötchen. Am liebsten ist ihnen ein feinkörniges Material. Als Geheimtipp für verwöhnte Katzen gilt Blumenerde. Wichtig: Die regelmäßige Reinigung sollte nur mit klarem Wasser erfolgen, nie mit geruchsintensiven Mitteln.

Und wenn ein Unglück passiert ist? Die Stelle wird mit klarem Wasser abgewaschen. Dann kann man hochprozentigen Alkohol da-rauf tun und trocknen lassen. Daraufhin streut man Trockenfutter auf diese Stelle oder setzt den Futternapf darauf. Es soll der Kat-ze angenehm riechen, dann wird sie nicht wieder darauf machen. Gut ist dafür auch der sogenannte „Wohlfühlspray“ (Feliway der Firma CEVA, Düsseldorf) geeignet, den es beim Tierarzt gibt. Er enthält Geruchshormone (Pheromone). Der Feliway-Zerstäuber wirkt stresslindernd in der ganzen Wohnung!

In ganz hartnäckigen Fällen kann man ein besonderes Sauberkeits-training durchführen. Die Katze wird dafür in einen sehr kleinen Raum gesetzt, man kann auch sogenannte Zimmerkäfige nehmen. Auf diese bewusst kleine Fläche kommt ein Ruhelager, ein Futter- und Wassernapf und natürlich eine passende Toilette. Da Katzen ihre Lagerstätte nicht verunreinigen wollen und die Nahrung natür-lich tabu ist, bleibt ihnen keine Wahl - sie gehen auf die Toilette! Wenn sich dieses Verhalten eingeschliffen hat, wird das Tier wie-der in der Wohnung freigelassen, und man kann hoffen, dass die Toilette nun dauerhaft angenommen wird.

Und wie geht man mit einer unsauberen Katze um? Schimpfen oder Strafen bewirken das Gegenteil, sie versteht es nicht. Ein solches Tier ist in großer seelischer Not und fühlt sich unsicher. Da muss man viel loben, Streicheleinheiten verteilen und über „Unglücke“ hinwegsehen. Bei mehreren Katzen benötigt jede ihr Revier, natür-lich auch ihre eigene Toilette und eine Stelle, an die sie sich unge-stört zurückziehen kann.

Menschen ohne ein besonders enges Verhältnis zu Katzen werden wahrscheinlich kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, was echte Katzenfreunde alles für ihre Lieblinge tun. Nun, Katzen sind eine Besonderheit, deren unabhängige und komplizierte Lebensweise nicht jedem Menschen gefällt. Niemand wird zur Haltung einer Katze gezwungen. Wer aber mit diesem wunderbaren Geschöpf zu-sammenleben will, muss auch einiges dafür in Kauf nehmen und sich ständig kätzisch fortbilden!

Beachten Sie: Eine Online-Beratung ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt. Gerade wenn es Ihrem Heimtier akut schlecht geht, sollten Sie es von einem Arzt untersuchen lassen. Bitte beachten Sie auch, dass Antworten im Archiv, die mehr als drei Jahre alt sind, nicht unbedingt dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand entsprechen.

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